Idee | Biotraubensaft

Wo ist die Auswahl?

In einem durchschnittlichen Supermarkt haben sie die Auswahl unter mehr als 100 verschiedenen Weinen. Sortiert nach Ländern, Farben, Charakteristik, Jahrgänge, Preis. Angebote, Empfehlungen, Präsente. Stehen sie vor dem Saftregal, finden sie in der Regel einen einzigen Traubensaft. In der Flasche oder im Tetrapack. Immerhin mit Farb-Angabe. Vielleicht auch zwei: rot und weiss. Das wars. Warum gibt es für Traubensaft nicht genauso Sorten oder Anbau-Gebiete? Warum gibt es nur „Traubensaft“ (so wie „Apfelsaft“)? Der dazu in der Regel viel zu süß und langweilig schmeckt?

Die einzigen, die im nicht-alkoholischen Bereich aktuell für Differenzierung sorgen, sind die Limonaden-Hersteller, nachdem der Markt über Jahrzehnte von wenigen großen beherrscht wurde. Das ist schön anzusehen, aber zum einen geht es hier weniger um Geschmack, als um ein Lifestyle-Getränk, zum anderen sind sie einfach zu süß und nicht besonders gesund.

Saft ist stillos

Werde ich zum Essen eingeladen, bringe ich eine Flasche Wein mit. Eine Flasche Saft wäre entweder unhöflich, würde die Frage nach meinem Gesundheitszustand nach sich ziehen, oder wenigstens in die Kategorie „Danke, haben wir selber“ fallen. Tatsächlich scheinen alkoholische Getränke, insbesondere Wein und Verwandte ein unglaubliches gesellschaftliches Monopol zu genießen, das Abweichler schnell an den Rand des tragbaren führt. (Einzige Ausnahme: alkoholfreies Bier, durchaus schmackhaft geworden in den letzten Jahren, und es erlaubt immerhin, quasi „getarnt“ teilzunehmen, ohne die anderen zu beleidigen. So kann man, trinktechnisch, auch ein Oktoberfest bestehen – sofern man die Bestellung nicht zu laut aufgibt). Und wenn ich mit einem Saft anstoße, schwingt leise, doch deutlich hörbar immer ein „leider“ mit.

Aus Trauben lässt sich offensichtlich eine unglaubliche Vielfalt erzeugen. Warum gibt es diese nicht im unvergorenen Zustand? Mag sein, dass ein großer Teil der Kulturgeschichte dadurch geprägt ist, aus Trauben ein alkoholisches Getränk zu gewinnen und zu genießen, und ohne diesen Antrieb wäre weltweiter Anbau, Vertrieb und Genusskultur vermutlich nicht entstanden.

Viel zu entdecken

Warum also aus der offensichtlich hervorragenden Grundlage – dem Traubensaft – nicht selbst etwas genußvolles, spannendes, differenzentieres, wertiges schaffen? Säfte, die man voller Neugier auswählt, passend zum Essen, zur Gelegenheit? Die man öffnet in der Erwartung, etwas zu entdecken? Durch die man zum Ausdruck bringt, dass dieses Essen, dieses Gespräch oder einfach dieser Moment etwas ganz besonderes ist?

Wir wollen mit diesem Portal einen ersten Schritt machen: Traubensäfte zusammenzutragen, die eine neue Welt des Geschmacks und des Genusses eröffnen. Probieren Sie es aus. Bringen Sie zum nächsten Abendessen unter Freunden einfach einen passenden Traubensaft mit. Lassen Sie sich überraschen!

Über Vorschläge, Bezugsquellen und Bewertungen freue ich mich, am besten per E-Mail.